Bitcoins – Zockerwährung oder Anlagealternative?

Die einen preisen sie als Befreiungsschlag, um sich von der Vorherrschaft der Banken zu lösen und die anderen sehen in ihnen ein Hilfsmittel, um im Darknet geklaute Kreditkartendaten und Waffen kaufen zu können. Seit dem erneuten Sprung über die 1.000 Dollar Marke hat es die Währung sogar in die allgemeinen Nachrichten gebracht. Und der dann folgende 20% Absturz erst recht. Aber sind Bitcoins wirklich eine Zockerwährung für Kriminelle oder lohnt sich ein Investment?

Wadn det jüberhaubt?

Auch wenn es immer mal wieder Jemand gewesen sein möchte, die Identität von Satoshi Nakamoto, dem Erfinder der Bitcoins bzw. der dahinter liegenden Methodik, ist bis heute nicht wirklich geklärt. Er oder Sie veröffentlichte 2008 ein Whitepaper namens „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“. Hinter diesem unscheinbaren Titel verbirgt sich in meinen Augen eine Revolution. Wenn man schnell über den Titel liest, steht da etwas von einer langweiligen Zahlung von A nach B („peer to peer“) . Denkt man aber genauer darüber nach, handelt es sich um die Blaupause für die Schaffung eines Zahlungsmittels, welches höchsten Anforderungen (wie z.B. Fälschungssicherheit) genügt und dabei ohne jegliche behördliche Autorität oder gar Notenbank auskommt. Es ist also eine Währung für die Gemeinschaft derer, die daran teilnehmen (wollen).

Und wo jibs det?

Trotz diverser Kursschwankungen bzw. großer Volatilität– definiert durch den Wert in USD, den man für einen Bitcoin zahlen muss – ist der Erfolg der virtuellen Silberlinge bisher ungebrochen. So ist zum Beispiel die Anzahl der „schürfbaren“ Bitcoins begrenzt, was eine Inflation von vornherein ausschließt. Geschürft werden kann so eine digitale Mark mittels eines komplexen mathematischen Rechenprozesses. Daher spricht man auch von Cryptowährung. Die ersten Schürfer waren noch Enthusiasten, die mit ihrem Heimcomputer die digitale Kasse auffüllten. Da aber die schürfbare Anzahl pro Jahr begrenzt ist, wurden diese Hobby-Schatzsucher mittlerweile verdrängt und es streiten sich heute Monster-Rechenzentren, beherbergt in Ländern mit billigem Strom und ausgestattet mit tausenden Computern (bzw. Grafikkarten – denn die können die spezielle Mathematik besser verarbeiten) um die freigegebenen Anteile. Aber warum sollte jemand überhaupt kilowattweise Energie verpulvern, um sich eine virtuelle Mark zu schürfen. Es gilt das gleiche Prinzip wie bei allen Währungen. Nur wenn die Community derjenigen, die an dieses Zahlungsmittel glauben, groß genug ist, wird es als solches akzeptiert. Das dies sogar für Waschmittel gilt, habe ich im Artikel Geldwäsche?! Wenn schon, dann richtig! beschrieben. Wie die aktuelle Euphorie zeigt, haben Bitcoins keinerlei Probleme mit fehlenden Jüngern, ganz im Gegenteil – aber dazu später mehr. Dadurch, dass es keine beeinflussende Entscheidungsmacht, vergleichbar einer Zentralbank, gibt, eignen sich Bitcoins natürlich genau in den Gebieten, in denen ein freier Währungsaustausch durch Restriktionen der Regierung oder der Zentralbank nicht möglich ist. Was fällt uns da ein? Genau, China! Die größte Fangemeinde hat die Cyberwährung nämlich in China. Insbesondere seit der Renminbi Yuan gegenüber anderen Weltwährungen stetig abgewertet hat und die chinesische Regierung dieser Entwicklung, ganz im Stile einer Zentralwirtschaft, durch viele Beschränkungen Einhalt gebieten wollte, erfreuen sich die virtuellen Groschen größter Beliebtheit. Sie sind quasi eine Art Schwarzgeld ohne jegliche Handelsbeschränkung.

Alled Laser, mach ick Jeldanlache rinn!?

Es gibt diverse Börsen, an welchem man seine geliebten Euronen oder sonst jedwede Währung in Bitcoins tauschen kann. Bleibt die Frage nach der Verwahrung der virtuellen Penunzen, denn ausdrucken kann man sie ja nicht. Genau hier liegt eine Schwachstelle. Einige dieser „Verwahrdepots“ wurden in der Vergangenheit gehackt und wie beim originären Taschendieb waren die Kröten weg.

Bitcoins Kursverlauf

Weiterhin erleben Bitcoins unheimliche Kursbewegungen in beide Richtungen. Die zwischenzeitlich bereits für Tot erklärte Währung erreichte Anfang 2017 einen Wechselkurs von immerhin über 1.000 USD - um einen Tag später um über 20% abzustürzen. Was aber ist der Grund für diese massiven Kursbewegungen. Man muss sich vor Augen führen, dass alle Bitcoins aktuell (schwankt natürlich mit dem Kurs zum USD und den neu geschürften Münzen) zusammen ein Volumen von 14 Milliarden USD umfassen. Klingt viel, ist manchen sein Ganzes, in der Welt der Währungen aber eine Schneeflocke im Orkan. Zum Vergleich, die Geldmenge (M3) der Euro-Länder beträgt 11,4 Billionen Euro, also über das 800-fache Volumen. Mit diesem Größenverhältnis geht es dem Bitcoin so, wie es anderen „Kleinwährungen“ auch geht. Wenn es zu viele Käufer aus „Großwährungsräumen“ wie dem USD oder dem EUR gibt, dann können schon wenige Deals – aus Sicht der „großen“ Währung mit kleinen Beträgen - den Kurs der „kleineren“ Währung massiv beeinflussen. Viele Entwicklungsländer haben bereits mit diesem Phänomen Bekanntschaft geschlossen. Vor allem wenn internationale Investoren Wachstumschancen sahen, kauften sie sich gern in die Lokalwährung des aufstrebenden Landes ein, was wiederum zu einer Aufwertung dieser führte. Für die meist exportorientierten Länder bedeutet dies, dass sich die Ausfuhrprodukte aufgrund des Wechselkurse verteuerten und die Länder international weniger Waren verkaufen konnten. So habe ich durchaus Verständnis, dass Thailand, Vietnam oder lateinamerikanische Länder ihre Währungen und letztlich ihre Bevölkerung durch Devisenbeschränken zu schützen versuchen. Wir brauchen aber gar nicht so weit schauen. Jedes Mal wenn die Eurokriese wieder aufflammt, versuchen reiche Russen, Italiener, Griechen oder Cyprioten ihr sauer verdientes Schwarzgeld in der Schweiz zu bunkern. Dies hat zu einer massiven, wirtschaftlich nicht begründeten, Aufwertung des Schweizer Franken geführt. Nichts anderes ist den Bitcoins passiert. Die Währung ist für die internationale Bedeutung, die sie mittlerweile genießt und die Anzahl an Investoren eigentlich viel zu klein.

Heisd jetzt wad kongred?

Ich finde Bitcoins großartig. Sie sind das Life-Experiment zur Frage, kann eine Währung auch ohne Notenbank existieren. Auf der anderen Seite muss sich die Währung -vor allem weil sie überall handelbar ist – an allen anderen Währungssystemen messen lassen. Die Menschen werden immer zu dem System wechseln, bei dem sie glauben, den größten Vorteil zu haben. Von daher kann man meiner Meinung nach die These aufstellen, je unsicherer (große) Währungen betrachtet werden, desto größer wird das Interesse an Bitcoins sein und anders herum. Selbst wenn sich die Geldmenge durch die zukünftigen Schürfungen noch etwas vergrößert, ist sie schlichtweg zu klein, um wirkungsvoll und eigenständig bestehen zu können. Bitcoins werden daher immer ein Spielball der großen Hauptwährungen bleiben.

Soll ick nu anlejen oder nich?

Wem Poker Spaß macht, wer Erfahrungen mit der Währung sammeln möchte, nicht die Rente seiner Oma verzockt und gute Nerven hat, kann durchaus seine Freude am Kauf der Crypto - Währung mit dem inoffiziellen ISO Währungscode BTC finden. Für alle Anderen wäre mein Tipp: Finger weg und lieber Lotto spielen. Einen Trost habe ich aber: Die kleine Geldmenge führt aktuell zu großen Kursschwankungen. Das beruhigt viele Banken und Regierungen noch. Diese „noch“ kann sich ganz schnell ändern, wenn eines Tages vielleicht Bitmarks oder BitDollars mit einer viel größeren Geldmenge erscheinen? Dann kann man sicherlich auch etwas beruhigter investieren!

Bewerte diesen Beitrag:
5
 

Kommentare 2

Gäste - ETF-Investor am Mittwoch, 11. Januar 2017 10:32

Bitcoins und die Blockchain sind keineswegs so dezentral wie oft vermutet. Tatsächlich ist die Konzentration von Macht noch bedeutend größer als bei anderen Währungen. Eine Handvoll Personen aus China hatte zeitweilig mehr als 50 Prozent der Rechenkapazität des Netzwerks und damit die Kontrolle über alle Transaktionen.

Mehr dazu zum Beispiel dort:
https://blog.plan99.net/the-resolution-of-the-bitcoin-experiment-dabb30201f7#.x698hbsdo

Bitcoins und die Blockchain sind keineswegs so dezentral wie oft vermutet. Tatsächlich ist die Konzentration von Macht noch bedeutend größer als bei anderen Währungen. Eine Handvoll Personen aus China hatte zeitweilig mehr als 50 Prozent der Rechenkapazität des Netzwerks und damit die Kontrolle über alle Transaktionen. Mehr dazu zum Beispiel dort: https://blog.plan99.net/the-resolution-of-the-bitcoin-experiment-dabb30201f7#.x698hbsdo
Atexo am Freitag, 13. Januar 2017 11:46
Die Revolution frisst ihre Kinder ....

Hallo,
danke für das Kommentar und den interessanten Blog-Link. Ich denke dass diese zentrale Bitcoin "Geldhaltung", die es ohne Zweifel in China gibt, genau ein Phänomen der geringen Geldmenge von "nur" 14 Milliarden USD + keinerlei Kontrollen der Währung ist. Würden manche Länder ihre "kleine" Währung nicht schützen (durch die oft belächelten Devisenrestriktionen) wären auch ganz schnell 50% oder mehr der einheimischen Währung in der einer Hand......und ich vermute dies währe auch China. Denn man darf nicht vergessen. Besitze ich Geld von einem Land, besitze ich ein Teil der Schulden des Landes (denn Geld ist ja nichts anderes als eine Zahlungsverpflichtung). Je mehr ich besitze, desto mehr kann ich Druck auf ein Land ausüben.
Von daher stimme ich völlig zu, dass es diesbezüglich eine vertane Chance ist. Aber wie ich schrieb, Bitcoins sind ein Experiment. Und wenn ich mich an meine Chemie-Experimente erinnere, hat es da auch öfter geknallt. Ich denke viel wichtiger sind die Beobachtungen die man jetzt machen kann. Denn diese werden in eine neue und vielleicht viel volumensstärkere Cryptowährung einfließen.

Danke Atexo

Hallo, danke für das Kommentar und den interessanten Blog-Link. Ich denke dass diese zentrale Bitcoin "Geldhaltung", die es ohne Zweifel in China gibt, genau ein Phänomen der geringen Geldmenge von "nur" 14 Milliarden USD + keinerlei Kontrollen der Währung ist. Würden manche Länder ihre "kleine" Währung nicht schützen (durch die oft belächelten Devisenrestriktionen) wären auch ganz schnell 50% oder mehr der einheimischen Währung in der einer Hand......und ich vermute dies währe auch China. Denn man darf nicht vergessen. Besitze ich Geld von einem Land, besitze ich ein Teil der Schulden des Landes (denn Geld ist ja nichts anderes als eine Zahlungsverpflichtung). Je mehr ich besitze, desto mehr kann ich Druck auf ein Land ausüben. Von daher stimme ich völlig zu, dass es diesbezüglich eine vertane Chance ist. Aber wie ich schrieb, Bitcoins sind ein Experiment. Und wenn ich mich an meine Chemie-Experimente erinnere, hat es da auch öfter geknallt. Ich denke viel wichtiger sind die Beobachtungen die man jetzt machen kann. Denn diese werden in eine neue und vielleicht viel volumensstärkere Cryptowährung einfließen. Danke Atexo
Gäste
Montag, 26. Juni 2017

Sicherheitscode (Captcha)

Weitere Posts

14. September 2016
Als wir an einem schönen, sonnigen Tag einen Biergarten besuchten, fragte ich meine Kinder, was sie denn gern zum Mittag essen möchten. Die Frage war natürlich überflüssig, weil die Antwort völlig kla...
5
12. Dezember 2016
Seit der Wahl des neuen US-Präsidenten im November sind vor allem die Langfristzinsen in den USA und Europa ordentlich gestiegen. Die 10 jährigen Deutschen Bundesanleihen rentierten nach dem BREXIT Vo...
4
24. März 2017
Aufgrund der Circus-Einlagen auf der anderen Seite des großen Teichs gehen die aktuellen Ereignisse in unserem Gemeinschaftsexperiment Europa manchmal etwas unter. So scheint es auch mit dem Treffen a...
2