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Die Zeiten sind hart! Trotz florierender Weltwirtschaft schlagen sich alle die Köpfe ein. Die einen vergiften Spione und werden mit Sanktionen geächtet und die anderen wollen mit Zöllen ihr Land wieder in die Kohlezeit zurück katapultieren. Und während sich die westliche Welt zankt wie kleine Kinder im Sandkasten, schaut einer nett lächelnd zu.

Kommunismus – spätromantische Träumerei?

Sozialismus und Zentralwirtschaft gelten nun nicht gerade als ein Musterbeispiel der Prosperität. In 99,9% der Fälle ist nur Mumpitz dabei herausgekommen. Honecker, Kuba und Sowjetunion lassen grüßen. Konzentriert sich die gesamte Macht an einer zentralen Stelle, können einzelne Fehlentscheidungen bestenfalls zu einer nicht-innovativen Mangelwirtschaft oder schlimmstenfalls zum Zerfall des Landes führen. Es fehlt schlichtweg eine Risikoverteilung aufgrund eines marktwirtschaftlichen Ausgleichsmechanismus‘, wie die viel zitierte Adam Smith‘sche invisible hand. Richtig bespielt wird hieraus aber auch ein Vorteil. Das zentrale Wirtschaftssystem ermöglicht nämlich eine Art Kurzschluss von Entscheidungsprozessen. Denn demokratische Diskussions- oder marktwirtschaftliche Anpassungsprozesse, die vor allem Zeit benötigen, sind schlichtweg nicht notwendig und werden im Zweifel par ordre du mufti einfach übersprungen. Sitzt nun „der Richtige“ am Zentraldrücker, ist dieses System unglaublich effizient und für alle anderen Volkswirtschaften extrem gefährlich. Genau dieses Gefühl habe ich aktuell bei China. Wir reden hier von den fehlenden 0,01%. Natürlich hat die Volksrepublik China formal ein demokratisches Mehr-Parteiensystem. Realistisch betrachtet konzentriert sich die Entscheidungsgewalt aber in der Kommunistischen Partei und hier wiederum in einer einzelnen Person - Xi Jinping. Dieser hat seine Macht durch die jüngsten Parteitagsbeschlüsse noch zementiert und sich defakto eine lebenslange Amtszeit gesichert. So etwas würde deutschen Politikern á la Horst Seehofer sicher auch gut gefallen.

Vieles richtig gemacht!

Um es vorweg zu sagen, ich finde die chinesische Innenpolitik mehr als fragwürdig. Kritische Stimmen verschwinden einfach im Knast oder sonst irgendwo, es gibt massive Korruption, noch immer leben Millionen Menschen wie im Mittelalter, die Umwelt wird verdreckt und zerstört und vieles mehr. Aber genau diese Lebensweise sollte uns ob der chinesischen Annäherung nachdenklich stimmen. Denn so aggressiv wie China im Inneren vorgeht, so lautlos und effizient verfolgt es seine Ziele im Ausland. Und alle anderen bemerken die Aktionen immer erst, wenn sie vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Die manchmal eigenartig wirkenden Anstrengungen – wie die Einflussnahme in Afrika – mögen im ersten Schritt befremdlich wirken. Schaut man sich aber später das Gesamtbild an, ist der nicht mehr verrückbare Einfluss Chinas mittlerweile erschreckend groß geworden. Beispiele? Bitte:

Diese Liste könnte man noch um einiges verlängern. Fakt ist, dass China es verstanden hat, sich strategische geopolitische Vorteile zu sichern, die ihnen so schnell keiner mehr abnimmt. Keine andere Nation hat in den letzten 20 Jahren ähnliches geschafft.

Was ist der Schlüssel?

China versteht es wunderbar, die Schwächen der Marktwirtschaft für sich zu nutzen. Während die Welt den Walzer des Turbokapitalismus tanzt und von Quartalszahl zu Quartalszahl springt, ist ZEIT die mächtigste Waffe in China. Das Erreichen eines großen Ziels dauert 10 oder 30 Jahre? Wurscht, dann dauert es halt so lang. Diese Sichtweise verstehen wir nicht, denn sie entspricht nicht der klassischen Marktwirtschaftslehre. Wir würden uns fragen, wer bitte 29 Jahre lang etwas finanzieren soll, was vielleicht im 30. Jahr einen Vorteil abwirft, der dann auch noch von allen nutzbar ist. Dahinter steht eigentlich ein klassisches Phänomen der Spieltheorie, analog dem sog. Gefangenendilemma. Es ergeht der restlichen Welt derzeit wie den zwei Verbrechern. Jedes Land versucht eine für sich passende und vorteilhafte Strategie zu verfolgen (USA first!), trägt aber damit zu einem suboptimalen Gesamtergebnis für alle Beteiligten bei – Stichwort: Nash-Gleichgewicht. Und genau das ist das Bilderbuch in dem die Chinesen lesen können. Mit kleinen gezielten Maßnahmen und Gesten befeuern sie unsere vorhersagbare Handlungsweise. Dabei werden auch Marionetten wie Nordkorea und Co. zum Einsatz gebracht.

Man kann davon ausgehen, dass die Chinesen mittlerweile in allen Geschehnissen auf dieser Welt ihre Finger im Spiel haben. Und das Ziel? Nennen Sie mich einen Verschwörungstheoretiker, aber es geht – wie bei James Bond – um nichts weniger als eine neue Weltordnung in 5 oder 10 oder 100 Jahren!